Wie alles begann: Meine WordPress-Jahre
Als ich vor rund zehn Jahren anfing, Websites zu gestalten, war WordPress für mich die naheliegende Wahl. Es ist das meistgenutzte System weltweit, es gibt tausende Erweiterungen, und mit dem Page-Builder Elementor konnte ich sehr individuelle Designs umsetzen. Eigentlich gab es kaum Grenzen – wenn man die richtigen Erweiterungen gefunden hatte.
Aber genau das wurde mit der Zeit zum Problem.
Was mich an WordPress zunehmend gestört hat
Jede Erweiterung bringt eigenen Programmcode mit. Fünf Erweiterungen hier, zehn dort – und plötzlich hat man ein System, das aus dutzenden Einzelteilen besteht, die nicht immer harmonisch zusammenspielen. Die Websites wurden träge, Fehler tauchten nach Updates auf, und ich verbrachte zunehmend Zeit mit Fehlersuche statt mit Gestaltung.
Das größte Problem war aber ein anderes: die Menschen, die danach mit der Website arbeiten sollten. Die Verwaltungsoberfläche von WordPress ist für Fachleute gebaut – nicht für Kulturschaffende, die einfach nur einen Termin eintragen oder einen Text ändern wollen. Ich musste jedes Mal ausführlich erklären, wo was zu finden ist, warum regelmäßige Sicherungen wichtig sind und welche Bereiche besser nicht angefasst werden sollten.
Oft fühlte sich die Übergabe einer fertigen Website an wie ein kompletter Schulungstag – statt wie der Beginn einer entspannten Zusammenarbeit.
Der Moment, der alles verändert hat
Irgendwann bekam ich den Auftrag, einen Ausschreibungstext und die technischen Anforderungen für den Website-Relaunch eines renommierten Instituts zu formulieren. Das hat gut funktioniert, und ich war überzeugt: Sie werden von ihrem alten System – Typo3, das für Fachfremde kaum bedienbar ist – auf WordPress wechseln.
Nach dem Relaunch fragte ich den Ansprechpartner, für welches Content-Management-System (also die Software, mit der Inhalte auf einer Website verwaltet werden) sie sich entschieden hatten. Die Antwort überraschte mich: Kirby. Davon hatte ich bis dahin noch nie gehört.
Neugierig geworden, schaute ich mir die Website von Kirby an – und war sofort begeistert. Klar, aufgeräumt, auf den Punkt. Eine Philosophie, die sich wohltuend von der Komplexität unterschied, die ich von WordPress kannte. Ich wusste: Das will ich auch.
Meine eigene Website als Testlauf
Ich machte mich daran, meine eigene Website mit Kirby komplett neu aufzubauen. Auf Grundlage meines eigenen Markenkompasses und Designprofils entstand Schritt für Schritt ein Auftritt, der wirklich zu mir passt – gestalterisch und technisch.
Claude, mein KI-gestützter Programmierpartner, und Kirby machten es möglich, eine ganz individuelle Website zu entwickeln, ohne an Grenzen zu stoßen. Seitdem arbeite ich mit zwei Systemen, die ich beide aus Überzeugung einsetze: Kirby und Publii. Beide verfolgen eine ähnliche Philosophie – schlank, sicher, unabhängig –, eignen sich aber für unterschiedliche Situationen.
Kirby: das flexible System für lebendige Websites
Kirby ist ein schlankes System zur Website-Verwaltung, das ohne Datenbank auskommt. Alle Inhalte werden als einfache Textdateien gespeichert – das macht die Website schnell, sicher und leicht zu warten.
Was Kirby besonders macht: Die Verwaltungsoberfläche – das sogenannte Panel – lässt sich für jedes Projekt individuell gestalten. Wer eine Website betreibt, sieht dort nur genau die Felder und Funktionen, die wirklich gebraucht werden. Kein überladenes Menü, keine verwirrenden Optionen. Texte ändern, Bilder tauschen, neue Beiträge anlegen – das geht intuitiv, ohne technisches Vorwissen.
Wartungsarm: Keine Datenbank bedeutet weniger Wartung und weniger Angriffsfläche.
Einfache Sicherungen: Den Website-Ordner kopieren – fertig.
Individuell: Jede Website wird maßgeschneidert, nicht aus Bausteinen zusammengesetzt.
Lebendig: Ideal für Websites mit Blog, Terminen, Projekten und Neuigkeiten.
Brauche ich einen speziellen Server für Kirby?
Kann ich die Website selbst pflegen, auch ohne technisches Wissen?
Gibt es fertige Designs wie bei WordPress?
Kirby eignet sich besonders für
Kulturorganisationen, Vereine, Künstlerinnen und Künstler sowie Freiberufliche, die eine individuelle Website mit Blog, Terminkalender oder Projektseiten brauchen und ihre Inhalte selbst pflegen möchten.
Publii: die pflegeleichte Lösung für kompakte Auftritte
Publii funktioniert anders als Kirby: Es ist eine Anwendung, die auf dem eigenen Computer läuft. Inhalte werden dort bearbeitet und dann als fertige Webseiten hochgeladen. Das Ergebnis sind reine HTML-Dateien, die auf allen Geräten funktionieren – Smartphone, Tablet, Desktop. Keine Datenbank, keine serverseitige Software, nichts, was gehackt oder gewartet werden müsste.
Blitzschnell: Die Seiten sind fertig erstellt, bevor sie aufgerufen werden.
Kostenloses Hosting möglich: Zum Beispiel über Dienste wie Netlify oder GitHub Pages.
Einfache Bedienung: Die Bearbeitungsoberfläche ist übersichtlich und schnell gelernt.
Wartungsfrei: Nach der Einrichtung gibt es praktisch nichts zu tun.
Sind Änderungen sofort online?
Können mehrere Personen gleichzeitig Inhalte pflegen?
Kann Publii auch komplexere Funktionen wie einen Veranstaltungskalender?
Publii eignet sich besonders für
Portfolio-Seiten für Künstlerinnen und Künstler, kompakte Vereins-Websites mit wenigen Seiten, temporäre Projekt-Websites oder Auftritte, die sich nur selten ändern und vor allem informieren sollen.
Beide Systeme, eine Philosophie
Was Kirby und Publii verbindet: Sie setzen auf das Wesentliche. Keine aufgeblähte Technik, keine unnötigen Abhängigkeiten, keine monatlichen Sicherheitsupdates, die Stress verursachen. Beide Systeme laden keine externen Inhalte von Drittanbietern – ein echtes Plus für den Datenschutz und genau das, was Kulturorganisationen brauchen, die verantwortungsvoll mit den Daten ihrer Besuchenden umgehen möchten.
Barrierefreiheit ist bei beiden Systemen kein nachträglicher Zusatz, sondern wird von Anfang an mitgedacht. Das ist mir wichtig – und seit Juni 2025 für viele Websites auch gesetzlich verpflichtend.
Publii passt, wenn ihr einen kompakten, pflegeleichten Auftritt braucht, der sich selten ändert und einfach funktionieren soll.
Welches System passt zu euch?
Die ehrliche Antwort: Das hängt von eurem Projekt ab. Wie oft wollt ihr Inhalte aktualisieren? Wie viele Seiten braucht ihr? Sollen mehrere Personen die Website pflegen? Braucht ihr spezielle Funktionen wie einen Blog oder Veranstaltungskalender?
All das klären wir gemeinsam – am besten im Rahmen eines Markenkompasses. Denn bevor wir über Technik sprechen, braucht es Klarheit darüber, wer ihr seid, wen ihr erreichen wollt und was eure Website leisten soll. Auf dieser Grundlage finden wir dann das System, das wirklich zu euch passt.